classic07 krug adamA120krug in the box
Heinrich von Kleist: Der zerbrochne Krug für die Generationen Pop, Rock und Schlager:

"...Den Text im Playback einzuspielen und mit synchronen Lippenbewegungen nachzustellen, dabei auch noch die Puppen zu spielen und eine eigene Körpersprache zu entwickeln, ist eine Leistung für sich. Die Musik entwickelt dazu eine ironisch kommentierende Note zum Geschehen..."
Otfried Käppeler, Südwest Presse, 22.3.2012

„Einen Krug in eine Kiste zu packen, ist wenig spektakulär. Den zerbrochenen Krug von Heinrich von Kleist in eine Kiste zu packen – und in dieser Kiste auf die Bühne zu bringen, ist zumindest ungewöhnlich.
Aber genau das macht die Berliner Künstlerin Bridge Markland. Gleichzeitig hat sie dem Lustspiel aus dem Jahr 1806 eine Verjüngungskur verpasst und es in ein Rock-Pop-Schlager-Musical verwandelt. … Ein kunterbunter Soundtrack für das Lustspiel. … Bei ihrer Musikauswahl kennt Bridge Markland weder Stil- noch musikalische Schmerzgrenzen: … Bridge Markland findet den zerbrochenen Krug im Original nicht langweilig. Sie will ihm nur ihren eigenen Stempel aufdrücken. … „Der zerbrochene Krug“ ist eine Komödie. Kleists einzige. Bei Goethes Uraufführung des Stücks im Jahr 1808 hat das Publikum aber kaum gelacht. Zu langweilig und zu langwierig, war das Urteil. Das kann man von der Ein-Frau-Playback-Show von Bridge Markland in Spielfilmlänge wohl kaum sagen.“
Sabrina Wendling, rbb Kulturradio, Geschmackssache, 29.9.2011

“Bridge Markland ist eine Verwandlungskünstlerin.
Die Berliner Schauspielerin unterzieht klassische deutsche Theaterstücke einer Generalsanierung und verwandelt sie mit Hilfe von Popmusik und Handpuppen in Grundlagen für coole Performances. … Die Inszenierung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: aus dem Geschehen auf der Bühne und aus dem, was vom Tonband beigesteuert wird. Bridge Markland agiert vor einer Kartonkulisse, der geöffneten Kiste, die der „classic in the box“-Reihe ihren Namen gegeben hat. In einem in den Karton geschnittenen Fenster sitzt Schreiber Licht, betraut mit der Aufgabe, das Geschehen zu protokollieren. Um die Box herum stehen die anderen Figuren als Handpuppen. Im Lauf der 88 Minuten werden sie zu Persönlichkeiten, scheinen Mimiken zu entwickeln und ein Eigenleben zu führen. … Das zweite Element ist genauso wichtig für den Spaß, den „krug in the box“ seinen Zuschauern macht. Es ist all das, was vom Band kommt, all die Töne und Textzeilen. Jeder Charakter hat seine ganz eigene Synchronstimme. Bridge Markland agiert mit Vollplayback, den Klang ihrer eigenen Stimme erlebt man nicht live... Und sie selbst hat auch den Soundtrack zusammengestellt: deutscher Schlager, Oldies, leichter Rock, Vergessenes und Unvergessliches aus der Geschichte des Pop. … Mit einem wunderbaren Gespür für das richtige Timing hat sie moderne Musik für das 200 Jahre alte Lustspiel gefunden…“
Nicole Hess, Die Rheinpfalz, 17.5.2011

"... Das spannende an Bridge Marklands Krug-Adaption ist gerade, dass kein Ensemble von Schauspielern sich mehr oder weniger spannende Geschichten erzählt, um sich gegenseitig hinters Licht zu führen, sondern dass ein Ensemble von Rollen und pop-musikalischen Erinnerungsfetzen den Fall Adam metonymisch vorführt. Indem Adam durch die Perücken- und Kleiderwechsel immer unter ihnen hindurchschimmert, wird eben kein großschauspielerischer Adam geboten.
Bridge Markland beherrscht die hohe Kunst des Playback. Die Stimmen kommen vom Band und passen immer haargenau auf die Lippenbewegungen. Die Handpuppen wie die unterschiedlichen Rollen werden so auf geradezu verfremdende Weise zum Leben erweckt. Das Playback ist ein Modus der Marionette, wie er bei Kleist in dem spitzfindigen Aufsatz Über das Marionettentheater thematisiert wird. Stimme und Rolle fallen räumlich ein wenig auseinander und passen doch.
Das Auseinanderfallen von Stimmen und Bildern geschieht auf ähnliche Weise im Traum. Das Rätsel des Traumes besteht nicht zuletzt darin, wie das, was wir hören und sehen, signifikant auseinanderfällt. Stimmen aus dem Off können ganze Handlungsabläufe im Traum verändern. Und genau in diesem traumhaft, alptraumartigen Modus kommt Adam mit dem Krug in the Box. Hingehen, sehen und hören."
Dr. Torsten Flüh, Night Out @ Berlin - Kultur Blog, 30.9.2011 (mit freundlicher Genehmigung)
ganze Kritik lesen: http://nightoutatberlin.jaxblog.de

" … Zwar läuft das Stück als Hörspiel vom Band, die Rollen von Schauspielern eingesprochen, doch bewegt Markland so synchron die Lippen, agiert mimisch und gestisch so ausdrucksstark, dass man oft vergisst, nicht ihre Stimme zu hören.
Eine Haube mit gelbem Strickzopf, eine schwarze Richterrobe reichen ihr, um blitzschnell die Rolle zu wechseln von Richter Adam zur Jungfer Eve Rull oder deren Mutter; dann wieder erweckt sie eine der Handpuppen, angefertigt von der kolumbianischen Künstlerin Lorena O. Monsalve, zum Leben.
Und auf diesen Mix aus Text, Schau- und Puppenspiel stoßen nun auch noch Ausschnitte aus Pop- und Schlagersongs, … während Eve ihrem Ruprecht verzeiht, dass er ihr nicht geglaubt hat, erklingt die Countryschnulze »Stand by your man«. Ob Oasis, Annett Louisan oder The Cure, … Knorkator oder Marlene Dietrich – die kurzen Liedausschnitte passen auf den Punkt und geben dem Lustspiel eine coole und amüsante Note.
Das funktioniert aber nur durch Bridge Marklands ... Lust an der Verwandlung und ihr schauspielerisches Talent: Die vor 50 Jahren unter dem Namen Brigitte geborene Theater- Performance-Künstlerin, deren Spezialität blitzschnelle Verwandlungen auf der Bühne sind, zieht Kleists Komödie bei allem Spaß nicht ins Lächerliche, sondern lässt dem Stück seine Vielschichtigkeit. So modern kann Klassik sein! Anouk Meyer, Neues Deutschland, 7.10.2011

  • 1